Teilnahme am Niederrhein-Trial 2024

Schöner kann das Ambiente für einen Mock-Trial nicht sein: das alte Rittergut bzw. Jagdschloss “Haus Schwarzenstein” in Hünxe.

Mock Trial „Niederrhein Trial 2024“ auf Haus Schwarzenstein

Um das Rittergut ranken sich alte Niederrheiner Sagen. So soll sich unter anderem am nahen Torfsee jede Nacht eine weiße Jungfrau mit weinendem Singen schwebend aus dem See empor heben, begleitet von einem schwarzen heulend und bellenden Hund der eine glühende Ketter hinter sich herzieht. Da ich meinen Hund kenne, wüßte ich, dass er sogleich den schwarzen Hund im Visier hätte und sofort erst einmal den Kopf auf seine Schultern legen und ihn minutenlang besteigen würde.Nunja, das ist sein Problem.

Vom Parkplatz (der Anmeldung, wo niemand anzutreffen war) ging es dann sogleich an dem Totenkeller vorbei hinauf gefühlt einen Kilometer bis zum Haus Schwarzenstein. Die Bank vor dem Totenkeller wurde übrigens aus dem alten Kaminsims des Haus Schwarzenstein erbaut.

Zeitgleich hatte auch der Rheinisch-Westfaelische-Schleppjagdverein, Pächter des Haus Schwarzenstein, eine eigene Veranstaltung. Es war also mächtig was los auf dem Gelände. Wau, beeindruckend und sehr elitär.

Oben angekommen war nichts zu sehen von der Veranstaltung des DRC, gut dass man eine gute Stunde zu früh angekommen ist, bloß nicht zu spät kommen. Aber die Open Klasse war noch in Aktion zu bewundern, aus der Ferne:

Mock Trial
Mock Trial Open

Warum die Open vor der Anfänger Klasse startet, erschließt sich mir nicht. Mit einem hypersexualisierten Hund steigt die Schwierigkeit erheblich, wenn die Prüfwiese mit vielen Duftspuren “verseucht” ist. Eigentlich hätte ich hier schon gleich umdrehen und einpacken können (sollen).

Nun den halb verloren, da niemand anzutreffen war, ging es zurück zum Anmelde(park)platz, Zeit für die Anmeldung war ja nun erreicht, wo jedoch wieder niemand anzutreffen war. Hier bleiben, oder doch wieder hoch? Zwischenzeitlich dachte ich, dass das Hinweisschild, welches auf den Parkplatz deutete, habe sich durch den Wind verdreht und die Anmeldung ist vielleicht doch oben?

Nun irgendwann hat es dann doch mit der Anmeldung geklappt und es passierte dann erstmal … nichts. Warten. Sehr lange warten. Wieder rauf zum Haus Schwarzenstein und wieder zurück zum Parkplatz und das Auto geholt und direkt oben geparkt, das hätte wohl gleich Sinn gemacht. Da hätte man sich zum Schlafen und Wartezeit überbrücken ins Auto legen können, dafür hat man ja einen Bus.

“Warten auf Godot”, das Theaterstück hätte man vermutlich in der Zeit geschafft. 🙂

Irgendwann ging es dann los. Es ging los? Es ging tatsächlich los. Köperlich und mental eigentlich schon reif für das Sofa. Ob man ohne Taschenlampen durch kommt? Nachdem dann das Losglück bei der Startnummerverlosung richtig zugeschlagen hat (Startplatz 10 von 14 Startern) ging es dann im Gänsemarsch auf die Wiese mit tief stehender Sonne. Das Gras war mächtig hoch und in einer Linie mit den Richtern (die sich am Rand links/rechts zur Linie befanden), die ihre ersten “Prüflinge” an ihrer Seite hatten stapfte man durchs Feld (im warsten Sinne des Wortes “stapfen”, da man die Knie recht hoch reißen musste, um über das Gras zu kommen), voraus waren die Helfer mit ihren Vorstehhunden und simulierten die Jagd. Ui, der erste Apport ging für den Starter schon gleich schief und der Hund fand den Dummy nicht, das reicht und man ist leider raus. Aus Nervosität wird Panik. Volle Konzentration auf das Geschehen und dem Linie laufen mit seinen Richtungswechseln. Das habe ich als extrem anstrengend empfunden, das ist nichts für mich, meine Konzentration war dann auch eher auf null.

Lago schaffte es nicht ordentlich Fuß zu laufen und lief immer in die Leine, zeigte sich hier aber noch hoch konzentriert auf das Geschehen (aber auch etwas überfordert), war aber überhaupt nicht an den Hundeführer orientiert gewesen, frustierend. Kommandos von den Helfern, die kaum zu verstehen waren, an die “Linie”, die Stöberhunde, die durchs Feld wuselten, Schüsse hier und da, Dummies die durch die Lüfte flogen, wieder umdrehen, nochmals umdrehen, weiterlaufen, stehen bleiben. Der Kopf hatte Kirmes und mein Hund wollte loslegen und fing nun schon in der Linie an leise zu fiepen. Na herrlich, wenn er eins kann, dann steadyness, haha und jetzt fängt er zum erstenmal an mit fiepen? Ich brech zusammen und fass es nicht.

Und immer noch nicht dran mit dem Apport. Durch den ganzen Stress konnte man nicht mal richtig die Arbeiten der anderen Teilnehmer anschauen, da man ja immer auf die Kommandos wartete oder “befürchten” musste gleich dran zu kommen, bzw. auf einen nicht bei Fuß laufenden Winselhund zu achten (eigentlich wäre hier schon für uns schluss gewesen). Die Markierungen der Mitteilnehmer waren von extrem unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Manche Würfe waren schon fast “leicht”, andere beinahe unmöglich zu schaffen. Die hätte Lago aber wohl alle nicht geschafft. Nun wurden mehrere Dummies unter Schuss direkt am Waldrand (auf einer Strecke von 10-15 m vielleicht?) ausgeworfen. Wieviele es waren, kann ich nicht sagen, meine Konzentration war im Eimer. Jup, nun werde ich aufgerufen (“geh mal zum Mario”, “wer ist Mario?”, “der Richter” – wie gesagt ich war durch) und begebe mich zum Richter und was macht mein Hund? Fängt an zu fiepen, herrlich, aus und vorbei, noch vor einem Apport (den er vermutlich auch versemmelt hätte, aber immerhin hätte er ein Apport gehabt). Nun ging es wieder in die Linie, ich dachte ich müsste das Feld verlassen und stapfte schon gleich los 🙂 und wurde zurück gepfiffen. Nun laufe ich also noch weitere Zeit untätig in der Linie mit, immer den nicht Fuß laufenden fiependen Hund im Blick, auf das er die Mitteilnehmer nicht stört. Herrlich, ich glaube auch mein Hund war am Ende gefrustet und hat es nicht verstanden, dass er nicht einmal los durfte für einen Apport. Wo er doch all die anderen Hunde flitzen gesehen hat.

Am Ende ging es dann zu einem Wassergraben, wo die verbliebenen erfolgreichen Startergespanne um die Platzierungen rangen.

“Wasserarbeit” war leider auch eher nur “Pfützenarbeit”, vermutlich zu schwierig umzusetzen bei einer hohen Teilnehmerzahl. Schade, auch wenn wir nicht ansatzweise so weit gekommen wären, Wasser macht der Chessie immer gut.

Endlich war der Mock-Trial zuende und es ging zur Siegerehrung (hier die Ehrung der Open vor dem Start der Novice):

Siegerehrung
Siegerehrung der Open

Den erfolgreichen Teilnehmern ein herzlichen Glückwunsch, ihr habt es richtig gut gemacht! Die Leistungen der Hunde war schon beeindruckend, wie flott der Dummy gefunden wurde.

Ein großes Lob geht an den Schleppjagdverein, der zu einem leckeren Schnitzel und Glas Bier eingeladen hat. Sehr gastfreundlich. Vielen Dank, genau das brauchte ich nach all den Stunden. Eure Veranstaltung war auf jeden Fall gesellig.

Fazit:  Das war vermutlich mein erster und letzter Mock-Trail. Klar, man ist mitten im Geschehen, das hat schon was, aber ist das jetzt nun wirklich ein Vorteil zum Working Test? “Genießen” kann man das Treiben nicht so doll, da man sich ja auf sich und seinen Hund konzentrieren muss. Eher war es für mich Streß pur (als wenn man einen Faden auf einem Kirmeskarussell einfädeln will und gleichzeitig noch durch Trommeler links und rechts abgelenkt wird) und der Kopf rauscht noch einen Tag später. Da tue ich weder mir noch meinem Hund einen Gefallen mit einer Teilnahme. Auch das sehr strenge Ausscheideverfahren ist nicht gerade der Motivation für das Gespann förderlich. Ich hätte jetzt auch keine Idee, wie ich das (ohne extrem hohen (Zeit-) Aufwand trainieren sollte (bzw. die Fehler die sich ergeben haben zu korrigieren; wo finde ich jetzt 14-16 Hundegespanne, die zum Training stundenlang mit mir über eine hoch gewachsene Wiese stapfen ohne das was passiert?). Bei einem WT hätte man ja immer noch die Möglichkeit weiter mit zu machen beim Ausscheiden und kann ein Training absolvieren. Nun ein Mock-Trial ist daher nichts für mich, das Startgeld hätte man auch sinnvoller umsetzen können (50 Eiskugeln z.B.).

Zur Veranstaltung selbst: das Warten war schon weit über dem Limit, das sollte man dann schon besser kalkulieren, wie lange die vorherige Veranstaltung dauert. Eine Information wäre sehr hilfreich gewesen, dass es am Ende doch einige Stunden Verspätung sind. Und wenn man ankommt und niemand ist da und man steht verloren rum, weiß man nicht so recht weiter. Auch kam die Geselligkeit leider zu kurz (es gab irgendwie keine).

Ach und ein Grund der Teilnahme war, ich wollte mal schauen wie Lago auf Schrotflinten Schüsse reagiert. Also entweder habe ich es nicht mitbekommen, aber ich meine es wurde nur mit 9 mm geschossen und mit Attrappe-“Flinten” der Schrotschuss simuliert.

Schon hardcore so ein Mock-Trail, aber für Leute mit Konzentrationsschwäche eine heftige Herausforderung. Ich glaube als Zuschauer hätte es mir mehr Spaß gemacht.

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